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Ein Blick in die Vergangenheit.
Die Stiftung vor den Neu- und Umbaumaßnahmen.

Historie der Stiftung

Vortrag von Dr. Heinrich Kröger am 1. Juli 2005:
30 Jahre Stiftung „Haus Zuflucht“ - 75 Jahre kirchliches Altenheim in Soltau

Der dritte runde Geburtstag der Soltauer Stiftung „Haus Zuflucht“ gibt Anlass inne zu halten und sich auf die Wurzeln dieser Arbeit zu besinnen. Dabei können wir auf insgesamt 130 Jahre zurückblicken.

Am Anfang steht nicht das kommunale oder das kirchliche Gemeinwesen, sondern ein Verein. Das ist mir sehr sympathisch, denn wir leben nicht von Institutionen, sondern davon, dass sich Menschen frei zusammen finden und selbst etwas tun. Bei dem heutigen Thema sind es sogar zwei Vereine, an die wir hier zu denken haben. Ähnliche Gründungen gab es im 19. Jahrhundert an vielen Stellen und dort zum Teil erheblich früher, doch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts war es auch in Soltau so weit.

An der Spitze des älteren Vereins stand, und das war damals bemerkenswerter als heute, eine junge Frau. Sie hat den Verein ungewöhnlich lange geleitet, fast 50 Jahre! Wenn unsere Stadt wieder eine Straße zu benennen hat, dann bietet sich dieser Name an: Johanne Röders, geb. Straat aus Scharmbeck. Sie heiratete mit 21 Jahren, am 6. Juni 1872 im Verdener Dom Carl Röders (1839 – 1926), den ältesten Sohn des Soltauer Firmengründers August Röders (1811 – 1888). Veranlasst durch einen Aufruf der Kaiserin Auguste (1811 – 1890) wurde 1877 der „Vaterländische Frauen Zweigverein“ zum Roten Kreuz in Soltau gegründet. Johanne Röders wurde die erste Leiterin und sie blieb es ihr Leben lang.

Der Verein stellte sich vielfältigen Aufgaben, wie gemeinnützige Krankenpflege, Linderung außerordentlicher Notstände sowie Fürsorge für Mutter und Kind. Das wurde professionell angegangen.

1887 stellte der Verein eine Diakonisse des Henriettenstiftes Hannover als erste Gemeindeschwester für häusliche Krankenpflege an. Auch eine Kleinkinderschule wurde eingerichtet, Böhmheide 20, Vorläuferin des lange Zeit, bis 1966, einzigen Kindergartens in der Stadt. Es wurden zwei Zimmer zur stationären Betreuung von kranken und hilfsbedürftigen älteren Menschen angemietet.

Damit kommen wir zu dem zweiten Verein. 1886 gründeten Soltauer Bürger im Zuge der Zeit einen Verein „Herberge zur Heimat“ für durchreisende Handwerker und Arbeiter. Dafür wurde ein eigenes Haus, Wiesenstraße 2 (heute AOK) geschaffen. Hier mietete der Vaterländische Frauenverein, wie erwähnt, zwei Zimmer für seine Betreuungsarbeit. In einem späteren Zeitungsartikel ist sogar von einem Anbau als „Bettenhaus“ die Rede. Die Stadt hatte, wie Stadtarchivar Peter Duden mir sagte, ein kleines strohgedecktes Siechenhaus, Bahnhofstraße 1 und dann noch eins in der Winsener Straße 13a. Dort gab es in den 20 er Jahren des letzten Jahrhunderts drei Zimmer mit acht Betten für „arme alte Leute“.

In dieser Zeit versuchte die Stadt vergeblich, ein Altersheim als Anbau von Böhmheide 20 zu schaffen.

1930 schlug dann, inmitten wirtschaftlicher Rezession, die Geburtsstunde eines kirchlichen Altenheimes in Soltau.

So meldete es die Böhme-Zeitung am 2. Juni 1930 und neulich wurde dies, nach genau 75 Jahren, auf der zweiten Seite wieder abgedruckt.


2. Juni 1930

Soltau. Wer in den letzten Wochen durch die Rühbergstraße in Soltau gegangen ist, dem wird es aufgefallen sein, dass dort eine rege Bautätigkeit im Gange ist, nicht nuur bei der neuen Sparkasse und dem Borchertschen Hause, sondern auch in dem bisherigen Privatschulgebäude. Dieses Haus ist vom Kirchenvorstande der evangelisch-lutherischen Gemeinde erworben und wurde jetzt zu einem Altersheim für alleinstehende, alte und arbeitsunfähige Personen, die sich noch selbst helfen können, umgebaut und eingerichtet.

(Böhme Zeitung, 02.06.2005)
 


Die ev.-luth. Kirchengemeinde zahlte für das 1895 erbaute Gebäude der ehemaligen „Höheren Privatschule“, heute Rühberg 7 (Kirchenkreisamt und Kirchenbüro) 25 000 Reichsmark. Das Haus wurde zu einem Altersheim für 30 Personen umgestaltet und am 1. August 1930 eröffnet.

Darum feiern wir heute nicht nur 30 Jahre Stiftung „Haus Zuflucht“, sondern auch 75 Jahre kirchliches Altenheim in Soltau.

Das Haus am Rühberg konnte seinen Zweck nur 15 Jahre erfüllen. Am 17. April 1945 brannte es ebenso nieder, wie die „Herberge zur Heimat“, Wiesenstr. 2.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheimes kamen, behelfsmäßig im Pfarrhaus, Seilerstr.2, bei Familie Schmidt unter. Sie zogen dann für fünf Jahre in die Jugendherberge, Oeninger Weg 5.

Pastor Rudolf Schmidt (1899 – 1965) ruhte nicht, bis 1949 ein Neuanfang gemacht wurde und das geschah hier auf Kirchenland, Lüneburger Straße 130. Er führte beide Einrichtungen zusammen, die Herberge zur Heimat, Anfang 1950, und das Altenheim, Dezember 1950, nun unter dem Namen „Haus Zuflucht“, nach Psalm 90,1. Die umsichtige, gemeinsame Leitung hatte Diakon Heinrich Kahlstorf (1894 – 1973). Um dem Ganzen einen geistlichen Mittelpunkt zu geben, ließ die Soltauer Kirchengemeinde durch Architekt Fritz Roden, sen. (1910 – 1978) eine Kapelle bauen. Das Altarbild schuf der Künstler Rudolf Schäfer (1878 – 1961). Landesbischof Danns Lilje (1899 – 1977) weihte die Kapelle am 28. Juli 1955 ein, also vor 50 Jahren. Dort wird – wie fast täglich – gleich eine Andacht stattfinden. Mit 110 Plätzen und einer Kapelle war 1955 ein kirchliches Altenheim geschaffen, das seinerzeit als vorbildlich galt. Darauf konnte Kahlstorfs Nachfolger, Diakon Ernst Behr, ab 1959 aufbauen und es weiter ausbauen. Die nebenbei betriebene Landwirtschaft, ein Lieblingsprojekt von Kahlstorf, wurde aufgegeben, die Herberge zur Heimat angemessen verkleinert und es entstand das u-förmige, moderne Gartenhaus.

Als am 1. Januar 1964 die Luther-Kirchengemeinde selbständig wurde, trat auch für das „Haus Zuflucht“ eine Änderung ein. Das Vermögen der beiden Kirchengemeinde wurde im Verhältnis ihrer Pfarrstellen (3 an St. Johannis zu 2 an der Lutherkirche) aufgeteilt, so auch das Altenheim. Ein Gesamtausschuss sollte die Arbeit der beiden Kirchengemeinden koordinieren und bekam als eine Aufgabe das „Haus Zuflucht“ zugewiesen. Dieses wurde 11 ½ Jahre die Hauptbeschäftigung des Gremiums, doch seine Mitglieder hatten keine Entscheidungsbefugnis. Die St. Johannis Kirchengemeinde blieb Rechtsträger, ihr Kirchenvorstand allein war für Entscheidungen und Beschlüsse zuständig. Der Gesamtausschuss konnte nur beraten und zuarbeiten. Das war kompliziert und in Manchem unbefriedigend.

Als nach anderthalb Jahrzehnten Herrn Behrs Ruhestand nahte, ging der Gesamtausschuss, wovon Reinhold Klempel und der Referent noch leben, auf die Suche nach einem Nachfolger. Auf Anhieb wurden wir im Stader Johannisheim fündig, doch der anvisierte Heimleiter erkannte sofort das Soltauer Dilemma. Ihn störte die umständliche Verwaltungsform und er schlug ein neues Organisationsmodell vor, ja, er machte dies zur Bedingung, wenn er nach Soltau kommen sollte. So kehrten wir, die ausgezogen waren einen neuen Leiter zu suchen, obendrein mit einer neuen zukunftsträchtigen Idee nach Hause.

Beides zusammen markiert den Neuanfang am 1. Juli 1975. Die beiden Kirchengemeinden brachten ihr Altenheim in eine Stiftung „Haus Zuflucht“ ein und bildeten einen unabhängigen, handlungsfähigen Stiftungsvorstand, der aus dem Superintendenten und dem Kirchenkreisamtsleiter sowie je 2 von den Kirchenvorständen gewählten Mitgliedern besteht.

Günther und Helga Viets erwiesen sich als modernes und zukunftsorientiertes Heimleiterpaar. Wie die weitere rasante Entwicklung zeigte, hat sich der doppelte Neuanfang vom 1. Juli 1975 voll bewährt und wohl die kühnsten Hoffnungen aller übertroffen. Die neue Struktur bot Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, die vom Vorstand und vom Leitungspersonal kompetent und konsequent genutzt wurden. Michael Aufmkolk  und sein Team setzen diese Linie seit 2002 erfolgreich fort.

Darum feiern wir heute mit Recht als besonderes Ereignis:

30 Jahre Stiftung „Haus Zuflucht“ und zugleich 75 Jahre kirchliches Altenheim in Soltau.

Wir denken darüber hinaus an die über fünfzigjährige Vorgeschichte, die voraus gegangen ist, besonders an den Vaterländischen Frauenverein zum Roten Kreuz und seine langjährige Leiterin Johanne Röders (1851 – 1926). Vor 133 Jahren kam sie nach Soltau, sie hat hier nicht nur mit ihrem Mann Carl Röders die weitverzweigte Fabrikantenfamilie Röders repräsentiert, sei es in Breidings Garten oder in der Villa Wilhelmstr. 24, sondern sie hat vor allem drei soziale Einrichtungen auf den Weg gebracht: die Kleinkinderschule, die demnächst im städtischen Kindergarten ein Jubiläum feiert, dann 1887 die häusliche Krankenpflege, die 1979 in die Diakonie- und Sozialstation eingemündet ist und drittens - von ihr bescheiden begonnen - was sich hier und heute so darstellt:

Stiftung Haus Zuflucht,  „Das Altenheim und mehr“!